Anmerkungen zum Baustoff Holz

Der Baustoff Holz erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Er wird von vielen sogar als der Baustoff des 21. Jahrhunderts bezeichnet. Ist das angemessen – und realistisch?

Als CO2-Speicher kann Holz zwar einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels leisten: In einem Kubikmeter verbautem Bauholz ist ca. eine Tonne CO2 gespeichert. Heißt das, dass so viel Holz wie möglich verbaut werden sollte, um möglichst viel CO2 in Bauwerken zu speichern?

Ja, denn Holz ist ein exzellenter CO2-Speicher. Aber: Der Rohstoff Holz steht nur in klar berechenbaren Mengen und regional sehr unterschiedlich zur Verfügung. Holz wird deshalb nie alleiniger Baustoff sein – kann aber dennoch eine deutlich wichtigere Rolle einnehmen als bisher.

Die Minimierung der verbauten Massen spielt also auch im Holzbau eine große Rolle. Es obliegt den planenden Ingenieuren, einen angemessenen Kompromiss zwischen Materialeinsatz und Tragverhalten zu finden.

Materialintensive Tragwerke können (und sollten) durch aufgelöste Konstruktionen ersetzt werden. Solche optimierten Träger sparen große Mengen an Material und können durch den Einsatz geeigneter Verbindungsmittel vollständig und sortenrein rezykliert werden.

Auch die Verbindungstechnologie spielt beim nachhaltigen Holzbau eine immens wichtige Rolle. Eine CNC-gesteuerte Fertigungstechnologie ermöglicht den wirtschaftlichen Einsatz von zimmermannsmäßigen Verbindungen. Erste Versuche an großen Tragwerken haben gezeigt, dass solche Tragwerke mit deutlich weniger metallischen Verbindungsmitteln auskommen können.

Im Hinblick auf die Rückbaubarkeit und mögliche Wiederverwendbarkeit ist dies ein großer Vorteil. Neben klassischen Verbindungstechnologien können auch neue Ansätze wie z.B. das Verschweißen von Holz berücksichtigt werden.

Die alltägliche Baupraxis zeigt einen sehr breiten und vor allem einen sehr unterschiedlichen Einsatz des Baustoffes Holz. Die unzähligen Einzelsysteme (Holztafelbauweise, Brettsperrholzbauweise, Brettstapelbauweise etc.) zeigen zwar eindrucksvoll die Gestaltungs- und Konstruktionsmöglichkeiten des Baustoffs.

Andererseits behindert dies die wirtschaftliche Durchbildung allgemein gültiger Konstruktions- und Baumethoden. Soll der Baustoff Holz den wirtschaftlichen Vergleich zu bekannten Baustoffen wie Beton oder Mauerwerk dauerhaft bestehen, so müssen geregelte und allgemein anerkannte Konstruktionsdetails entwickelt werden.

Hinsichtlich der Rezyklierfähigkeit muss strenger als bisher darauf geachtet werden, die verschiedenen Bauteile und Holzsorten leichter trennbar zu verbinden. Bei den oftmals nicht vermeidbaren Verklebungen von Holzelementen ist zu bedenken, dass eine spätere thermische Entsorgung nur in dafür speziell zugelassenen Feuerungsanlagen erfolgen darf.

Bei Verbindungen von z.B. Holzverschalungen mit Holzunterkonstruktionen gilt es abzuwägen, ob wirklich geschossene Nägel eingesetzt werden – oder doch lieber Verschraubungen, die auch nach vielen Jahren eine einfache Trennung der Holzelemente ermöglichen.

Übrigens: Ca. 50% des in Deutschland eingesetzten Holzes kommt nicht aus deutschen Wäldern, sondern aus den Alpenländern, Skandinavien, Polen oder Sibirien.

Ein Jahrhundertbaustoff für alle und für alles wird Holz deshalb sicher nicht werden, auch nicht in einem waldreichen Land wie Deutschland – so sehr wir uns dies auch wünschen mögen.

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