MHE

Das Haus der Europäischen Geschichte in Brüssel entstand durch den Umbau und die Erweiterung eines Gebäudes aus den 1930er Jahren. Das Bestandsgebäude wurde durch eine sehr leichte und transparente Fassade erweitert und umgestaltet. Die neue Gebäudehülle besteht aus einer durchlüfteten Glasschwertfassade und einer inneren thermischen Hülle. So werden die Ausstellungsräume gezielt mit natürlichem Licht versorgt und gleichzeitig vor Überhitzung geschützt.

Das Haus der Europäischen Geschichte ist in einem Gebäude untergebracht, das seinerzeit als Zahnklinik errichtet wurde. Um den Anforderungen an ein modernes Museum gerecht zu werden, mussten die Architekten das Bestandsgebäude umfassend sanieren und erweitern. Der Umbau umfasst die komplette Bebauung eines dreiseitig geschlossenen Hofes sowie eine dreigeschossige Aufstockung.

Die Erweiterung des Bestandsgebäudes ist an der Außenfassade klar ablesbar. Die hochtransparente Glasfassade der hinzugefügten Geschosse steht im bewussten Kontrast zur historischen Natursteinfassade der unteren Gebäudehälfte. Die neue Glasfassade ist mit einem Streifenmuster bedruckt, das zur Minderung der solaren Einträge führt. Die Farbe des Siebdrucks wurde in Anlehnung an den Naturstein gewählt.

Die neue Fassade ist als Doppelhautfassade konzipiert; sie unterscheidet zwischen transparenten und opaken Bereichen, um mehr Flexibilität in Bezug auf die Beleuchtung der Ausstellungsräume zu ermöglichen.

Der Fassadenzwischenraum dient als thermischer Puffer zwischen der Außenluft und der beheizten bzw. gekühlten Ausstellungsfläche. Er wird durch horizontale Fassadenöffnungen im Bereich der Geschossdecken sowie im Dachbereich des Gebäudes hinterlüftet.

Die innere Fassade dient als thermische Gebäudehülle. Eine Pfosten-Riegel-Fassade aus Aluminium trägt eine Dreifachisolierverglasung aus Wärmeschutzglas. Die Anforderung an den Gesamtenergiedurchlass wurde mit ≤ 0,10 für beide Fassadenebenen erfüllt. Der Fassadenzwischenraum bietet somit im Sommer einen sehr guten, hinterlüfteten Sonnenschutz – und im Winter eine hochgedämmte Fassadenfläche.

Ausschlaggebend für die hohe Transparenz der äußeren Glasfassade sind die statische Nutzung von horizontalen und vertikalen Glasschwertern sowie die aussteifende Funktion der Glasscheiben im Eckbereich. Die vertikalen Glasschwerter haben Spannweiten von 3 bis 14 Meter, die horizontalen Glasschwerter von 1,6 bis 5,6 Meter. Die Breite der Glasschwerter variiert zwischen 52 und 80 Millimeter.

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